Architektur - weißes Gebäude

Der sogenannte „LOD“ (Fertigstellungsgrad) definiert den notwendigen Informationsgehalt und Detaillierungsgrad der digitalen Gebäudemodelle. Er kann sowohl von der jeweiligen Disziplin als auch Leistungsphase abhängig sein. Eine Standardisierung der LODs wäre sehr wünschenswert, da diese zunehmend an Bedeutung gewinnen und sich zu einem äußerst wichtigen Kommunikationswerkzeug entwickeln.

Bei den umfangreichen Nachforschungen zu diesem Thema stößt man keineswegs auf einheitliche Festlegungen. In den internationalen Standards und Leitfäden gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen dazu. Dies beginnt bereits bei der Bezeichnung. „LOD“, die unter anderem als Level of Detail, Level of Definition oder Level of Development interpretiert werden kann. In den Literaturen fallen in Kombination dazu weitere Begriffe, wie z.B. „LOG“ (Level of Geometry) und „LOI“ (Level of Information). Nun ist die Verwirrung also komplett, am besten wäre vielleicht die Ausformulierung Level of Disaster.

Trotzdem schrecken wir nicht davor zurück, uns dieses Thema ein zu verleiben. Um den Rahmen der Aufgabe allerdings ein wenig einzuschränken, wurde das Augenmerk auf die Festlegungen in den D-A-CH-Raum gelegt.

Deutschland

Der „BIM-Leitfaden für Deutschland“ verweist im Kapitel 4 bezüglich Fertigstellungsgraden auf ausländische Standards, so z.B. auf die Richtlinie vom US-amerikanischen Berufsverband der Architekten, AIA, bzw. auf die darauf basierenden Festlegungen des BIM-Forums (bimforum.org/LOD/) oder auch auf die PAS 1192-2 des Britischen Standardisierungsinstituts.

Der Grund dafür ist, dass es in Deutschland derzeit noch keine Beispiele dafür an Bauwerksmodellen bzw. allgemein anerkannte Standards gibt.

In einer Tabelle wird anschließend eine Möglichkeit für die Festlegung von Fertigstellungsgraden gezeigt. Der Fokus wird dabei auf ein Architekturmodell ohne Beachtung anderer Fachdisziplinen gelegt, welches in folgende fünf Fertigstellungsgrade bezugnehmend auf Leistungsphasen eingeteilt wird.:

 



  • Fertigstellungsgrad 100 (Vorentwurfsplanung)
  • Fertigstellungsgrad 200 (Entwurfsplanung)
  • Fertigstellungsgrad 300 (Genehmigungsplanung)
  • Fertigstellungsgrad 400 (Ausführungsplanung)
  • Fertigstellungsgrad 500 (Objektdokumentation)
Im Anhang D wird noch auf die weiterentwickelten sechs Fertigstellungsgrade durch das NATSPEC BIM Paper hingewiesen, die wie folgt lauten:

 

  • LOD 100 (konzeptionell)
  • LOD 200 (ungefähre Geometrie)
  • LOD 300 (genaue Geometrie)
  • LOD 350 (Zwischenstufe, eingeführt für die Darstellung von Schnittstellen zw. Disziplinen)
  • LOD 400 (Ausführung)
  • LOD 500 (Bestandsdokumentation)

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Österreich

In der ÖNORM A 6241-2 werden im Anhang C recht unanschaulich in einer Tabelle die Detaillierungsgrade eines Gebäudemodells in Übereinstimmung mit den Projektphasen beschrieben. Dazu gibt es zu jeder Phase verschiedene „Ergebnisse“ mit der Festlegung, ob sie im Modell eingearbeitet sein sollen oder nicht. Als Ergänzung wird bezüglich gültiger Bauelemente und Klassifizierungen auf den sogenannten „ASI-Merkmalserver“ verwiesen, der auch nicht gerade mit Übersichtlichkeit besticht.

 

Schweiz

In den „Grundzügen einer open BIM Methodik“ werden bezugnehmend auf die „Level of Development Specification“ des BIMforums (amerikanischer Interessenverband) fünf verschiedene Fertigstellungsgrade genannt:

  • LoD 100 (konzeptionelle Darstellung)
  • LoD 200 (Dimension und Größe maßgeblicher Bauelemente)
  • LoD 300 (ausschreibungsreife Angaben mit Spezifikationen)
  • LoD 400 (fabrikationsreife Ausführungsplanung)
  • LoD 500 (Dokumentation des ausgeführten Elementes)

Es wird versucht, in einer Tabelle den Zusammenhang zwischen SIA Phasen (Vorprojekt, Bauprojekt, Ausschreibung, Ausführung, Dokumentation) und LoDs darzustellen. Dabei werden vorab Ziele, Modellinhalte und typische Prüfungen in der Planung entsprechend eingeteilt. Weiters werden sowohl die Leistungen der Fachplaner den einzelnen Fertigstellungsgraden zugewiesen als auch konkrete Beispiele genannt und illustriert.

Fazit

Das grundlegende Problem, was sich dem Modellierer hierbei bietet, ist, dass für diese Beschreibungen häufig ganze Modelle oder Gebäudeausschnitte bzw. sehr spezielle Modellelemente (Bürosessel, Maschinen, etc.) herangezogen werden, was zu einer sehr theoretischen Erläuterung von LODs führt. Effektiver wäre es, die Beschreibung auf alle gängigen Elemente in einem Gebäudemodell zu beziehen, so kann beim Modellieren ein eindeutiger Leitfaden verfolgt werden.

Genau das haben wir versucht zu realisieren und die sogenannten „BI-EG“ (Build Informed-Entwicklungsgrade) entwickelt. Nach Möglichkeit sollen alle bisher festgelegten Anforderungen für den D-A-CH-Raum erfüllt sein. Das entsprechende Werkzeug für die Modellierung in diesen unterschiedlichen Schärfen ist „Autodesk Revit“. Es sei darauf hingewiesen, dass nur die wirklich notwendige Informationstiefe angelegt werden sollte und nicht das Maximum möglicher Informationen.

 

Es gibt insgesamt fünf BI-EGs, die folgenden Ansprüchen gerecht werden sollen:

 

  • BI-EG 1: Das Gebäude wird als 3D-Volumenkörper dargestellt. Dieses Modell dient zur Darstellung einer Entwurfsidee und zur Ableitung von groben Kennwerten. Der Körper kann weiter in Geschosse und Zonen mit definierten Nutzungen eingeteilt werden. Auch Angaben zur Belichtung und andere Gebäudedaten (Heizung, Belüftung, etc.) können festgelegt werden.
  • BI-EG 2: Nun werden die einzelnen Elemente des Modells in den entsprechenden Kategorien modelliert. Die Darstellung ist sehr grob und der Informationsgehalt beschränkt sich auf Angaben, die notwendig sind, um das Modellelement zu generieren. Daraus können z.B. Bruttoflächen und -kubaturen der einzelnen Kategorien ausgelesen werden.
  • BI-EG 3: Die Darstellung der Modellelemente wird weiter verfeinert, stellt aber immer noch eine Vereinfachung dar. Beispielsweise wird der Rohbau festgelegt und Aufbauten getrennt dazu modelliert. Weiters werden Profile zu betreffenden Bauteilen zugewiesen und Ausbauten angedeutet. Sämtliche genehmigungsrelevanten Eigenschaften (z.B. Angaben zu Bauphysik, Brandschutz, Fluchtwege, etc.) sollen nun zugewiesen sein.
  • BI-EG 4: Die einzelnen Elemente sind nun sehr detailliert im Modell eingetragen, so sind z.B. alle Aufbauten, Anschlüsse, Verbindungen und Oberflächen definiert. Es können präzise Mengen und Massen ausgelesen werden. Außerdem sind alle weiteren Informationen, die für die Ausschreibung und Ausführung benötigt werden, enthalten.
  • BI-EG5: Das Gebäudemodell wird mit einer Punktwolke überlagert/ergänzt, und entspricht damit dem ausgeführten Bauobjekt.

Diese BI-EGs wurden auf alle gängigen Modellelemente (ausgenommen TGA) in Revit angewandt und tabellarisch aufgelistet. Außerdem wurde der aus den zugewiesenen Informationen mögliche Nutzen im Zuge einer Projektabwicklung angeführt. Diese Zusammenfassung steht als PDF zum Download bereit.

Anzumerken ist noch, dass die Entwicklungsgrade immer unternehmensspezifisch zu betrachten sind und an die jeweilige Wertschöpfungskette angepasst werden sollten.

„Build Informed hat Erfahrung, große Projekte durch verschiedene Phasen zu begleiten. Wir beraten auch Sie gerne beim Aufbau und in der Detaillierung Ihrer Modelle.“

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